Ein Leben ohne FACEBOOK & Co. - das Internet Experiment - Teil 2
| 20 Dez, 2011 |
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INTERNET, ZUKUNFT, TWITTER, FACEBOOK, NEWS, TESTBERICHTE|
Doch ich habe jetzt die Kabel gekappt und musste mich neu orientieren. Die neue Freiheit war wie eine kalte Dusche. Es war nicht nur ein befreiendes Gefühl, sondern auch eine Art "Erwachen", denn ich nahm plötzlich die reale Welt um mich intensiver wahr. Ich hatte plötzlich mehr Zeit und war gezwungen diese Zeit mit neuen Dingen zu füllen.
"Ist der Miguel krank?" - diese Frage habe ich seit letzten Freitag öfters gehört. In der zweiten Woche wurde mein Verschwinden bemerkt, wobei ich es z.B. auf Facebook angekündigt habe. Trotzdem gab es viele, die sich ernsthaft Sorgen machten. Es ist interessant, denn ein Verschwinden aus einem Social Network wird mit "Krankheit" in erster Linie in Zusammenhang gebracht. In den Köpfen der Menschen hat sich also die Grundeinstellung entwickelt: wer online ist, der ist gesund. Der ist da. Der ist lebendig. Einen anderen wichtigen und interessanten Aspekt ist der Bereich des Kommerz. Des freundschaftlichen Kommerz. Da ich nicht mehr an FACEBOOK Informationen meiner Freunde komme, habe ich keine Ahnung, welche neuen Produkte, Comics, Bilder, Filme, Musik etc. in Mode oder neu auf den Markt sind. Oft helfe ich meinen Freunden mit Verlinkungen auf meinen Social Networks. Da ich viele Freunde auf Social Networks habe, die auch echt sind und sich für meine Postings interessieren, haben meine Tipps und Verlinkungen schon etwas an Gewicht. Das war mir davor nicht soooo bewusst, aber durch meine Abwesenheit gab es plötzlich von Leuten Rückmeldung von denen ich es nie geahnt hätte, das meine Internet Anwesenheit für sie so wichtig wäre. Einige Händler fragten mich wirklich, wann ich endlich wieder online bin. Das macht einen natürlich nachdenklich. Manche sind auch genervt, das sie mich jetzt nicht durch FB & Co. erreichen können. Sätze wie "Hast du mein Foto auf FACEBOOK gesehen?" oder "Geh auf FACEBOOK und schau dort auf..." oder "Ich habe doch alles getwittert..." muss ich dann immer mit "Tut mir leid, aber ich geh nicht auf FACEBOOK..." oder "Ich nutze kein FACEBOOK..." beantworten und das gefällt vielen Leuten nicht, denn sie sind dann gezwungen mir Infos durch andere Kommunikationskanäle zu schicken oder ganz darauf zu verzichten.
Da ich weniger Social Networks benutze bin auch immer weniger am Rechner. An paar Tagen war ich weniger als 15 Minuten online aktiv. Ich bewege mich mehr und das tut auch meiner Gesundheit gut, denn man verbringt nicht mehr Stunden vor einem Monitor. Man sitzt nicht mehr nonstop und starrt wie ein Zombie auf die bunten Pixel. Umso mehr Abstand ich vom Internet nehme, umso grotesker kommt mir das alles vor. An einigen Tagen hatte ich sogar richtigen Abscheu gegenüber dem Internet. Wenn man nicht mehr Teil des Netzwerkes ist, wenn man nicht mehr in diesem digitalen Spinnennetz gefangen ist, merkt man wie seltsam und "wahsinnig" diese virtuelle Welt ist. Die Ironie der Sache ist: ich verdiene in dieser virtuellen Welt und durch diese virtuelle Welt Geld. Kunden finden mich im Internet und durch das Internet. Produkte von mir werden im Internet angeboten. Ich zeichne Bilder für Websites und Web Projekte. Ich informiere durch das Internet Menschen. Ich weiß wie der Internet Kommerz funktioniert, wie man eine Website hochpusht, wie man im Internet erfolgreich wird...
Der komische Teil meiner Abwesenheit und Entzugserscheinung ist, ich sage oft laut "(irgendwas) und das hätte ich auf FACEBOOK gepostet". Ich habe auch gemeint, ich würde jetzt alles was ich auf Facebook und Co. geschrieben hätte nun in eine Art Tagebuch schreiben und es mein OFFLINE BOOK nennen. Vielleicht lasse ich Notizbücher produzieren und nenne sie OFFBOOKS - 100% OFFLINE. (meine Idee und mein Slogan!!! nicht klauen, sonst schicke ich meinen Anwalt.
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Erkenntnisse dieser Woche: ich hinke immer mehr aktuellen Informationen hinterher und behalte die meisten Informationen meines Alltags für mich, weiß nicht wie es den meisten meiner FB Freunde geht (und da macht man sich jetzt auch Gedanken, welche Bedeutung diese Menschen wirklich in meinen Leben haben), eine neue Art von OFFLINE Bewusstsein entwickelt sich (Social Networks wirken grotesk und fremd, ich selbst fühle mich nicht mehr als Teil einer Community), habe mehr Zeit und bewege mich mehr, nehme meine reale Umwelt mehr bewusst wahr, fühle mich nicht mehr so gestresst und schlafe sogar besser, lese mehr Printmedien, im Internet aktive Menschen nehmen meine Abwesenheit bewusster wahr und fragen mich wann ich wieder zurück komme... Ich spiele mit den Gedanken mich von Social Networks und Internet länger fernzuhalten als ein Monat. Ich will vielleicht nur 1 bis 3 Mal im Monat FACEBOOK & Co. nutzen, um nicht in dieser Informationsflut zu versinken und unterzugehen.









