Der antiislamische Trend in Deutschland 2010 und im Film - DIE FREMDE Filmkritik
| 26 Sep, 2010 |
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MILLUS|
In letzter Zeit bemerke ich einen starken und offenen anti-islamischen Trend in unserer Gesellschaft. Es hat schon langsam Ähnlichkeiten wie zu der Zeit als der Antisemitismus in Deutschland wütete und wir wissen wie das geendet hat. Seit meiner Kindheit kenne ich diesen Abscheu und diese Abneigung gegen den Islam in Deutschland. Wie türkische Bürger schlecht behandelt werden oder von oben herab angesehen werden. Die ganzen Witze gegen Türken, die fiesen und arroganten Kommentare in Diskussionen (und ich rede hier von ganz normalen Diskussionen) und Beleidigungen hinter geschlossenen Türen.
Dank Thilo Sarrazin und seinen Thesen ist das Thema wieder hochaktuell. Das schlimme ist aber die große Zustimmung, die er in der Gesellschaft findet. Die Bürger, die eine Anti Haltung hatten und sich nicht trauten ihre Gedanken offen zu äußern, weil sie ja als rassistisch oder faschistisch gelten könnten, sagen jetzt offen ihre Meinung. Letztens war ich nachmittags im Supermarkt REWE und an der Kasse standen einige Männer (wohlgekleidet und nüchtern) und plötzlich sagte einer laut und voller Überzeugung:" Die Kanaken, die klauen immer. Es sind nur die Kanaken." Die Kassiererin verneinte, doch konnte sich nicht durchsetzen. Bevor ich was sagen konnte waren die Männer schon weg. Ähnliche Situationen erlebe ich in letzter Zeit immer öfter und wenn ich mir die Umfragen zu Sarrazin ansehe, dann passt das.
Filme wie DIE FREMDE, SHAHADA oder PERSOPOLIS verstärken ein falsches Bild des Islam und geben im Moment der anti-islamische Stimmung Futter.
Mir machen diese Unterhaltungsmedien große Sorgen, denn diese vermitteln oft nur ein einseitiges Bild oder ein verkehrtes Bild einer Religion oder Kultur. Es findet keine objektive Aufklärung in diesen Filmen statt, oder wird nicht darauf geachtet, dass man vieles falsch verstehen könnte.
Das Problem mit all diesen Filmen, Liedern und Büchern ist, sie wollen gesellschaftliche Probleme und Verbrechen auf Glaube zurückführen. Nach dem Motto: du schlägst deine Frau, oder tötest deine Schwester, weil es die Religion so befiehlt. Aber das stimmt nicht. Die Verbrechen und Missbräuche, die von religiösen Menschen stammen sind nicht auf Religion oder Glauben zurück zuführen. Sowie Computerspiele nicht für Amokläufe verantwortlich sind, sonst würde ja fast die ganze Menschheit Amok laufen.
Amokläufer töten nicht, weil sie Zeichentrickfilme oder Games gespielt haben. Katholische Priester haben nicht kleine Kinder missbraucht, weil sie die Bibel lesen. Der moslimische Vater hat seine Tochter nicht getötet, weil er den Koran gelesen hat. Solche Verbrechen passieren in allen Kulturen, in allen Religionen, in allen Gesellschaften. Überall. Wenn ein Lehrer eine Schülerin sexuell belästigt, dann gehen wir ja auch nicht davon aus, das alle Lehrer so sind. Wenn ein deutscher Vater seinen Sohn missbraucht, dann gehen wir ja auch nicht davon aus, das alle deutschen Väter so sind. Es sind schreckliche Ausnahmen, die leider überall passieren. Leider vermitteln Filme wie DIE FREMDE den Eindruck, dass z.B. alle Moselms so mit ihren Töchtern und Frauen umgehen, aber das ist nicht wahr. Das ist nur eine Ausnahme. Der Film DIE FREMDE ist eigentlich ein Familiendrama, dass in jeder Kultur oder in jeden Land passieren kann. Bei einer amerikanischen Familie, bei einer deutschen Familie, bei einer japanischen Familie... überall, aber Filme wie DIE FREMDE berücksichtigen das nicht. Die Zuschauer sehen den Film und denken, dass dies typisch im Islam ist. Aber das ist nicht typisch im Islam. Durch die aktuelle anti-islamische Stimmung wird dieser falsche Eindruck verstärkt.
Dieser aktuelle anti-islamische Trend macht mir schon etwas Angst, denn die Stimmung kann man wirklich mit der starken anti-semitischen Stimmung der deutschen Vergangenheit vergleichen - siehe hier: Kommt das Böse wieder an die Macht?. Und das nicht nur in Deutschland. Wenn wir sehen was gerade in Frankreich oder Holland passiert, dann bekommt man schon ein mulmiges Gefühl. Was gerade mit all diesen anti-islamischen Filme, Bücher, Musik etc. passiert ist fast das gleiche was damals mit den Juden passierte. Damals hieß es: Die Juden verkorksen unsere Gesellschaft mit ihrer Religion, die Juden nehmen uns die Arbeit weg, Deutschland wird bald ganz jüdisch sein etc. - heute heißt es: die Türken (Moslems) verkorksen unsere Gesellschaft, wollen sich nicht anpassen, sprechen nicht mal deutsch, bald ist Deutschland islamisch...
Ich hoffe, die Filmemacher werden sich jetzt mehr Gedanken über ihre Filme machen, besonders wenn es um so heikle Themen geht. Ich hoffe, die Menschen werden toleranter und werden besser aufgeklärt werden. Am 3. Oktober 2010 ist bundesweit Tag der Offenen Tür in Moscheen. Wer einen echten Einblick in die Kultur unserer Mitbürger haben möchte und sich mit ihnen unterhalten möchte, das ist eine gute Chance.
PS: ich bin Christ, habe einen deutschen Pass und bin in Südamerika, während einer faschistischen Diktatur, geboren.









