DEUTSCHLAND Schwarz Weiss und ein hübsches Mädchen in der U-Bahn
| 9 Feb, 2010 | TAG BÜCHER, KOLUMNE, PRINT|Ich liebe U-Bahn fahren. Es ist sozusagen eine meiner Inspirationsquellen meiner Kunst. Dort entdecke ich soviele interessante (und verschiedene) Menschen und Dinge, die ich so leicht woanders nicht finden könnte. Ich habe mich zum echten U-Bahn Stalker entwickelt und habe schon eine Menge erlebt. Popstars, Traumfrauen, Mann ohne Auge, Geisteskranke, Skinheads, Schläger etc. begegnet, Selbstmörder gerettet und dabei fast selber gestorben, einmal verprügelt worden etc. - die Liste meiner U-Bahn Erlebnisse ist sehr lang...
Letztens stieg ich in die Kölner Linie 16 ein und die Bahn war mal wieder überfüllt. Da entdecke ich eine junge Frau, die mir wegen ihrer Kleidung und Kopfhörern auffiel. Sie war auch ziemlich hübsch, aber das spielte nicht soooo eine große Rolle. Meine Triebe ließ ich etwas beiseite und benutzte mehr den Verstand des Künstlers. Es war ihr Look, genauso einen Look sollte ich einer Comicfigur meines neuen Onlinecomics theKONNA geben. Und wahrscheinlich werde ich das auch tun.
Ich saß ihr also direkt gegenüber und analysierte ihr Aussehen. Neben mir saß eine andere junge Frau, die mit irgendjemanden laut telefonierte. Fand ich amüsant, denn man erfährt wirklich eine Menge von den Menschen, wenn man sie belauscht. Ich weiß, das gehört sie nicht, aber hey, ich bin Künstler, Autor - Menschen, Geschehnisse, Situationen etc. das ist die Quelle meiner Inspiration und ich bin unglaublich neugierig. Ich lese auch alle SMSe mit, wenn jemand vor mir in der Bahn gerade eine SMS liest oder tippt. Mich stört es auch nicht, wenn jemand meine SMSe lesen würde oder meine Gespräche belauschen würde, denn wenn ich nicht will, dass mich jemand belauscht oder ausspioniert, dann sorge ich dafür. Dann tippe ich nicht in aller Öffentlichkeit und direkt vor jemanden eine SMS. Nunja, allgemein ist dieses "stalken" nicht nur unterhaltsam, sondern auch lehrreich. Man lernt auch so "Glaubwürdigkeit", denn wenn man einen Charakter für eine Geschichte entwickelt, dann kann man auf eine echte Person und ihren Gesten/Aussehen/Macken etc. zurückgreifen, die man irgendwann aufgeschnappt hat. Hier und da etwas umändern, anpassen und verbessern - und Bingo! man hat einen "glaubwürdigen" Charakter in einer Geschichte.
Nunja, ich war fasziniert von dieser jungen Frau mit den Kopfhörern, denn sie hatte auf eine ganz spezielle Art ihre Haarsträhnen aus der Mütze rausgucken lassen. Es sollte wahrscheinlich wie "zufällig" aussehen, aber mein erfahrendes Auge erkannte sofort, dass die meisten Strähnen gezielt so angelegt worden waren, als sie die Mütze irgendwo und irgendwann angezogen hatte. Und sie hatte es richtig gut gemacht. Sie wirkte mit diesen herausschauenden Haarsträhnen ziemlich schön. Es gab ihr einen wilden und sinnlichen Touch. Ihre Augen waren eine Explosion, als sie irgendwann aufblickte und bemerkte, dass ich sie anstarrte (mir ist es heutzutage schon egal, ob sie es merken oder nicht...). Ich kann bis jetzt nicht die Farbe definieren. Es schien wie eine Mischung aus Grün, Honiggelb, Blau und Braun zu sein. Und dann passierte das wichtigste. Ich bemerkte das Buch, das sie las.
Deutschland Schwarz Weiss: Der alltägliche Rassismus
von Noah Sow. So hieß das Buch und der Titel zog meine ganze Aufmerksamkeit auf sich. Da ich sehr vergesslich bin (kann mir selten Namen und Nummern merken) fing ich an den Titel und den Namen der Autorin nonstop im Geiste zu wiederholen. Das Mädchen mit den Kopfhörern und den explosiven Augen kam aus Versehen mit ihren Schuh gegen meinen Schuh und ich glaube, sie bemerkte das sich fiese Stahlkappen an meinen Schuhen befinden, denn für einige Sekunden machte es irgendwie "Klick" in ihren Augen, als ihr Schuh mein Stahl berührte. Vielleicht bildete ich mir das auch nur ein. Wer weiß.
Am Kölner Hauptbahnhof stieg sie aus und da bemerkte ich ihre große Ringeltasche. Die Tasche wird 100% irgendwann in meinen Onlinecomic auftauchen.
Zurück zum Buch, denn das Buch Deutschland Schwarz Weiss: Der alltägliche Rassismus
ist ein ganz besonderes Buch, dass jeder mal gelesen haben sollte. Es ist von der deutschen Musikerin, Moderatorin und Schauspielerin Noah Sow geschrieben, die auf eine ganz spezielle und persönliche Art erzählt, wie es ist als schwarzer Deutscher in Deutschland zu leben. Sie gibt in Bereiche Einblicke, die einen meisten verborgen bleiben und konfrontiert uns mit unseren eigenen "unterbewussten" Rassismus. Ja, ich habe mir den Titel und die Autorin gemerkt. Habe nach meiner Begegnung mit der unbekannten jungen Frau mit den Kopfhörern zuhause bei Amazon rumgestöbert, das Buch entdeckt und da es noch in meiner Preisklasse lag - ja, als Comiczeichner ist man arm - habe ich es mir bestellt. Ich werde es demnächst meiner Schwester schenken, denn meine Schwester ist von dunkler Hautfarbe und hier in Deutschland geboren.
Ich bin selber Ausländer und habe den Rassismus der 80er Jahre in Deutschland erlebt. Zu der Zeit war Deutschland nicht so multikulturell, nicht mal in den Großstädten. Besonders für dunkelhäutige Ausländer oder Deutsche war und ist es immer noch sehr hart.
Der Rap Musiker Samy Deluxe trifft diese Thematik ziemlich gut mit einigen seiner Texte. Vor kurzem gab es auch den Film SCHWARZ AUF WEIß von und mit den bekannten Autor Günter Wallraff, der sich als Dunkelhäutiger verkleidete und durch Deutschland zog...











hehe du kleiner stalker - aber ich kenn das ich seh auch ab und zu jemanden in der bahn der mich inspiriert ... sind meistens auch frauen
ich kenn das buch zwar nicht aber mir is der ausländer "hass" in deutschland schon oft aufgefallen, manchmal hat man es sogar als schwarzkopf hier schwer - auch wenn man deutscher staatsbürger ist.man muss ja nicht umbedingt beleidigt werden oder so ,diese vorurteile reichen schon vollkommen.
dann muss die jugend wohl für eine bessere welt kämpfen!
geschrieben von adam am 09 Feb 2010, 18:00