BESCHEIDENHEIT und wahre Freunde
| 31 Okt, 2008 | TAG MILLUS, CHECKER|Die Menschen sehnen sich nach Glück und streben nach Glück. Die einen suchen die Liebe, die anderen eine Heimat, die anderen den Erfolg, die anderen suchen Reichtum etc.. Sie sind meistens erst zufrieden oder werden erst glücklich, wenn sie das angesagteste oder teuerste Etwas bekommen oder erreichen.
Viele Menschen, und viele Künstler darunter, streben nach Ruhm, Anerkennung und Respekt. Es reicht ihnen nicht, wenn der beste Freund oder der Lebenspartner einem lobt. Sie suchen eine andere Anerkennung, eine, die für sie höher, größer und wertvoller erscheint. Ein Beispiel: sie singt und ihre beste Freundin lobt ihren Gesang. Der Sängerin reicht das nicht. Sie will mehr. Die Sängerin wird erst glücklich sein, wenn sie im Tonstudio einer großen Plattenfirma ein Lied aufgenohmen hat und von berühmten Produzenten und Musiker gelobt wird. Dieses Lob ist für die Sängerin mehr wert, als das Lob der Freundin, denn sie sagt sich, dieser Mensch ist ja Musiker und versteht ja mehr von Musik als meine Freundin. Er kann besser einschätzen was wirklich gut ist. Seine Meinung ist als viel mehr wert. Doch die Wahrheit ist, das Lob der besten Freundin ist das Lob was zählt und viel mehr wert ist.
Die Bescheidenheit in den Menschen kommt in den letzten Jahren zu kurz und es ist unglaublich schwer in unserer Gesellschaft bescheiden zu sein, denn die Gesellschaft baut sich auf eine Art Erfolg auf, wo nur das teuerste und trendigste zählt und anerkannt wird.
Autoren und Zeichner
träumen davon bei großen Verlagen zu veröffentlichen, weil das in ihren
Augen cooler ist, sie mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit
bekommen, weil sie mehr Geld verdienen und weil sie so von anderen mehr
bewundert werden. Das die Kunst und die Freunde an der Kunst dabei zu
kurz kommt, spielt kaum noch eine Rolle. Es geht den meisten nicht mehr
darum eine schöne und gute Geschichte zu machen. Nein, es geht den
meisten nur noch um Ruhm und Geld. Weil dies sie glücklich macht. Der
Schaffensprozess spielt nur noch eine nebensächliche Rolle, alles was
nur noch zählt ist das Endprodukt. Nur Siegen ist cool. Wenn das
Endprodukt scheiße wird, war alles sinnlos... Diese Denkweise ist
heutzutage so verbreitet und das ist sehr traurig.
Jeder Mensch kommt eines Tages an einem Punkt, wo man ihm Reichtum oder Ruhm, oder sogar beides, anbietet. Die meisten Menschen nehmen ohne zu zögern an. Doch es gibt wirklich Menschen, die ablehnen. Die sich zur Bescheidenheit besinnen, die sich sagen, ob ich diese Geschichte bei diesem kleinen Verlag veröffentliche oder bei diesem großen Verlag, ist eigentlich egal, aber ich sollte bescheiden sein und diese Geschichte beim kleinen Verlag veröffentlichen. Sogar, wenn ich weniger verdiene und ich nicht auf den großen Vermarktungsaparat des großen Verlags greifen kann. Wenn meine Geschichte gut ist, wird sich das rumsprechen. Ich bin viel glücklicher mit weniger Geld und wenig oder keinem Ruhm. Diese Aufmerksamkeit, diesen Luxus, diesen Ruhm etc. brauch ich nicht. Wofür? Macht mich das zu einem besseren Menschen? Ich bleibe lieber in einer kleinen bescheidenen Welt, mit dem Menschen, die ich liebe und vertrauen kann, die mich niemals im Stich lassen werden. Wenn ich genug zu essen habe, ein Dach über den Kopf, mir ein Buch oder Film leisten kann und ich mir die Krankenkasse leisten kann, dann ist das genug. Auch meine Wünsche sind bescheiden.
Ich versuche selbst auch bescheiden zu sein. Es ist nicht leicht, aber ich versuche mein bestes. Ruhm und Reichtum ist sehr verlockend, besonders wenn man wenig hat. Vor einiger Zeit bekam ich Angebote, von berühmten Menschen, Firmen etc. Ruhm und Geld wäre garantiert gewesen. Vielleicht könnte ich jetzt an einem Tisch mit Scarlett Johansson essen, meinen Namen in so manchen renommierten Magazinen wiederfinden und ich müsste mir jetzt wohl nicht den Kopf zerbrechen wie ich einige Rechnungen bezahlen soll. Ich entschied mich für die Bescheidenheit, denn das Glück, das wahre Glück findet man ganz woanders.
Und ich bereue nichts. Denn
diese Bescheidenheit hat den wichtigen Menschen um mich herum gezeigt
was für ein Mensch ich bin und durch diese Bescheidenheit habe ich
gelernt mich nicht von den Medien, Trends, Geld, Starruhm etc. blenden
zu lassen. Ich habe gelernt den einfachen Arbeiter den gleichen Respekt
zu geben, wie einer großen Persönlichkeit, die vielleicht einen
Nobelpreis oder den Music Award gewonnen hat. Ich habe gelernt die
Menschen wirklich wahrzunehmen, sie richtig zu respektieren und sie
besser zu behandeln. Und sogar besser zu verstehen.
Ich war kein Aussenseiter in der Schule, eher das Gegenteil. Ich war sehr anders und fühlte mich oft sehr allein, aber fast die ganze Schule war mit mir befreundet und ich galt bei den meisten als jemand cooles. Sogar der Hausmeister mochte mich und kopierte mir die Hausaufgaben, wenn ich sie vergessen hatte (oder keine Lust hatte) sie zu machen. Dafür spielte ich lange nach Schulschluß alleine Baskettball am Schulhof und passte auf, dass keine Diebe und Randall Teenager in die Schule einbrachen. Anstatt mit den coolen Jungs oder den angesagten Mädels in der Schule rumzuhängen, hab ich mich oft in der Pause und im Unterrischt zum Aussenseiter hingesetzt. Aussenseiter, weil sie entweder die falschen Klamotten hatten, weil sie die falsche Besinnung hatten, oder weil sie einfach anders waren. Und ich habe ihn meinen Respekt geschenkt, sie beschützt und ihnen einen Grund gegeben sich gut in der Schule zu fühlen. Dieses Verhalten hat mir treue Freunde gebracht und ich habe erreicht, dass andere meinem Beispiel folgten. So wurde viel Schaden verhindert,... aber es war niemals leicht. Jeder von uns kann bescheiden sein, den Mut besitzen sich nicht blenden zu lassen, jeder hat die Chance die wahren wichtigen Dinge und Personen im Leben zu erkennen.
Die Menschen, die uns nicht im Stich lassen, die für unser Glück und Wohlbefinden Leid im Kauf nehmen, damit wir glücklich und sicher sein können. Menschen, die ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen, damit wir unsere Träume erfüllen können. Menschen, die ihr Leben für unser Leben riskieren würden. Menschen, die uns ihre Betten und ihre Nahrung zur Verfügung stellen und sie selbst am Boden oder auf dem Sofa schlafen legen, damit wir es besser haben. Menschen, die alles machen, damit wir es leichter haben und nichts dafür verlangen. Das sind die Menschen, die unseren Respekt und unsere Liebe verdienen. Ihre Meinungen sind die Meinungen, die zählen. Das sind die Menschen, die wir glücklich machen müssen. Das sind die Menschen, die unser Respekt verdienen. Findet ihr solche Menschen, dann schätzt was sie euch geben und behandelt sie gut. Denn sie sind unsere Stützen und unsere Retter.
In dieser Gesellschaft zu leben ist nicht leicht, besonders, wenn man jung und allein ist, denn diese Gesellschaft mit ihrem Wertesystem übt so einen unglaublichen Druck aus. Es ist verständlich, das die wenigsten unter uns diesen Druck standhalten können und dann nach falschen Dingen streben. Normalerweise geht dann jeder durch diese Gesellschaft und wird dann von den falschen Werten, Freunde und Ziele verraten, dann erst kommt die große Erleuchtung. Wie die Sängerin, die das Lob von den Musikern für wichtiger hielt. Die dann dachte, die Musiker respektierten sie aus ganzem Herzen. Irgendwann ließen die Musiker sie links liegen, als sie ihnen nicht mehr zu Nutze war oder weil die Musiker einfach ihre eigenen Ziele verfolgten und sie ihr so in den Rücken fielen. Und wer war dann für sie da, um sie in den Arm zu nehmen, zu retten und zu trösten? Ihre beste Freundin. Ihr Freund. Ihre Mutter. Ihr Vater. Ihr Bruder. Ihre Schwester... der Mensch, der sie immer wirklich liebte und respektierte. Leider kommt bei manchen die Erkenntnis sehr spät und man verliert diese Freunde oder Familien, weil man sie alle tief verletzt hat... dann ist man wirklich allein und lernt was es wirklich bedeutet, allein zu sein.
Lied Copyright www.tomalbrecht.de - genialer Liedermacher...











Nun, das Problem von Leuten, die nach "echter" Anerkennung streben, ist, dass "echte Anerkennung" heute fast nur noch mit Geld oder tollen Auszeichnungen gleichzusetzen ist. Wir leben nunmal leider extrem in den Jahren von "Geiz ist geil".
Schau allein ins Comicforum: "Ey, ich geb dir 5€ für dein Bild, aber dafür will ich dann sämtliche Nutzungsrechte, ok?"
Die, die auf soetwas eingehen, sind meistens Zeichner, denen sonst niemand etwas gibt außer ein bisschen Lob nach dem Motto: "Gut gemacht. Voll toll." Und dann?
Das Bild ist im Nu aus den Köpfen der Personen verschwunden.
Aber wenn jemand ordentlich geblecht hat dafür, es den Geldbeutel richtig schmerzt, dann wird das Bild (und damit der Künstler) nicht so schnell wieder vergessen sein.
Mit Lob kann man um sich werfen, mit Geld in der Regel nicht. Es ist deshalb auch "toller" bei einem Großverlag zu sein, bei dem die meisten abblitzen, als bei einem zwielichtigen Verlag, bei dem es keine Kohle gibt, dafür aber Unmengen von Zeichnern, zwischen denen man einfach untergeht.
Der Druck als Freischaffender ist natürlich wesentlich größer als bei einem Angestellten, der jeden morgen um 8 auf der Matte steht und genau weiß, dass er am Ende eines jeden Monats für das, was er gleich tun wird, soundsoviel Geld bekommt.
Bei einem Künstler ist es so: Man muss ständig im Gespräch bleiben, sonst ist man schneller vergessen als man gucken kann.
Ich kenne das von mir selbst. Damals, als ich noch aktiver auf Animexx war, kannten mich eine ein paar Leute, die ich nicht kannte. Heute kennen mich nur noch die, mit denen ich mal zutun hatte; wobei ich mich an einige gar nicht mehr erinnere.
Und wenn ich heute ein Bild hochlade, darf ich mich über ein bis zwei Kommentare freuen; wenn überhaupt.
Was ist da erstrebenswert? Etwa ein Bild gemacht zu haben für dass sich keine Sau interessiert?
Sicherlich nicht. Da investiere ich meine Zeit lieber in andere Dinge, die mir entweder Freude machen oder Geld einbringen. Und wenn ich weiß, dass ich genug Kohle für mich (und meine Familie) zusammengetrommelt habe, dann bin ich für einen kurzen Augenblick zufrieden... nur um im Anschluss wieder darüber nachzudenken, ob es das nächste Mal auch wieder so gut klappt mit dem Geldranschaufeln.
Glück und Anerkennung manifestiert sich bei mir primär in Geldfragen, da heutzutage alles Geld kostet. Wenn man genug davon hat, kann man sich dem "Leben" widmen und ganz bei seiner Familie, seinem Partner, seinen Freunden sein.
geschrieben von Ich am 31 Okt 2008, 12:31